Sonntag, 22. Juni 2014

Wie es dazu kam...

20.06.2014

In einer Facebook-Gruppe las ich mal etwas über Babygebärden. Ich hab mich aber nicht weiter damit beschäftigt, sondern fand es irgendwie zu "abgefahren" für uns. Das machen doch bestimmt nur Öko-Hippie-Mütter, die mit Globuli um sich werfen, windelfrei praktizieren oder zumindest Stoffis nutzen usw. Ja, ich hatte Vorurteile. Seit aber meine 2. Tochter auf der Welt ist, hat sich einiges geändert. ich gehöre immer mehr zu den tragenden, familienbettenden Öko-Hippie-Müttern...

Zusammen mit der Großen sah ich mal eine Sendung über Taube und ihre Kinder. Dass die Kinder, die hören und sprechen konnten, bereits mit einigen Monaten über Gebärden mit ihren Eltern kommunizieren konnten, hat mich total fasziniert. Sofort fiel mir die Facebook-Gruoppe wieder ein und ich stellte dort gleich die Frage nach den Babygebärden. Viele Bücher und Links wurden mit vorgeschlagenund den Rest des Tages war ich vertieft in dieses Thema. Als mein Mann dann abends von der Arbeit kam, zeigte ich ihm das gleich (als Einstieg zeigte ich ihm ein Youtube-Video) und erklärte auch, dass die Gebärden die Zweisprachigkeit erleichtern könnten. Wir waren uns schnell einig, dass wir es mal versuchen würden. Die Kleine war zu dem Zeitpunkt ca. 4 Monate alt. Wir fingen an, uns im Alltag zu beobachten: Welche Gebärden nutzen wir instinktiv (komm, lecker, alle, wo, da) und welche Wörter nutzen wir viel (Milch, kuscheln, wo, Musik, Schwester, mehr/nochmal). Diese Gebärden wollten wir als erstes nutzen. Ich kaufte mir ein Buch (Vivian König "Das große Buch der Babyzeichen") und las und las und las. Im Internet stöberte ich auch immer wieder ausgiebig und ich gründete eine eigene Facebook-Gruppe, um mich besser austauschen zu können. Unser Alltag wurde nun also mit Gebärden bereichert. Einige nutzten wir ja eh schon, andere Gebärden wollten wir mehr nutzen, aber es passte dann auch nicht immer. Wenn die Kleine hungrig war und brüllte, fand ich es sinnlos erstmal "Milch" zu gebärden. Meine Tochter wird nämlich nicht langsam immer hungriger sondern ist entweder satt und glücklich oder hungrig und dann schreit sie. Ich hab mir dann also eher angewöhnt, ihr trinken zu kommentieren ("jetzt trinkst du endlich deine Milch") als vorher zu sagen, das ich jetzt die Milch mache. Wenn sie wenigstens gucken würde, wenn sie so weint, dann würde sie vielleicht eher verstehen, dass ich schon die Milch mache und sich dann etwas beruhigen.
Ein sehr beliebtes Zeichen ist übrigens "Musik". Sara hat eine Wippe, in der sie Musik anmachen kann, wenn sie an einem Griff zieht. Seit ich jedesmal dazu "Musik" gebärde, zieht sie noch viel lieber daran und schaut mich dann erwartungsvoll an. Ich bin gespannt, wann sie dazu gebärdet.

Ich las, dass Babys motorisch und kognitiv in der Lage sind Gebärden für sich zu nutzen, wenn sie einfache Dinge wie"da" oder "winke-winke" machen. Da kam aber bisher nichts von ihr,. Sara ist aber jetzt auch erst 5 Monate alt.

Seit gestern sind wir im Urlaub bei meinen Schwiegereltern. Heute morgen lag ich mit Sara im Bett. Mein Mann und die Groß schliefen noch und wir machten ein wenig Quatsch. Dann fragte ich Sara, wo denn der Papa sei. Sie schaute sich um, sah ihn neben uns und zeigte ganz bewusst mit gestrecktem Zeigefinger auf ihn. Ich war so stolz auf sie! Wir wiederholten das während des Spielens dann noch ein paar mal. Wegen dieser Geste und meinem unbändigen Stolz, kam ich dann auf die Idee unser Leben mit den Gebärden aufzuschreiben und öffentlich zu teilen. Ich bin schon gespannt, wie es weitergeht.

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